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Es handelt sich aber keineswegs um den
56. Kurpfälzer Fastnachtszug, wie man an sich annehmen sollte, denn
dieser Name wurde erst 1955 kreiert, und eigentlich müsste es den
Jahren nach sogar schon der 59. Schwetzinger Fastnachtszug sein, wenn
nicht... Doch dazu gleich und der Reihe nach.
Ein Blick in das umfangreiche Archiv des derzeitigen Vorsitzenden des
Schwetzinger Fastnachtszug-Komitees Werner Pfister und Zugmarschalls Ludwig Karle fördert
viele interessante und aufschlussreiche Fakten zu Tage, die unter anderem
auch die genannten und zunächst offensichtlich erscheinenden Widersprüche
schnell aufklären.
Aus der Geschichte von Umzug und
Zugkomitee
Los ging es 1951 mit dem ersten Fastnachtszug in Schwetzingen, der zunächst
nur als reiner Kinderumzug gedacht und von der Schwetzinger Carneval-Gesellschaft
mit ihrem Präsidenten, dem unvergessenen Philipp Kreuzwieser, als
Organisator veranstaltet wurde. Im Anschluss an den Umzug gab es für
alle Teilnehmer "Weck und Worscht", gestiftet von den Metzgereien
August Ziegler und Horst Czyzewski. Auch für die danach folgenden
Fastnachtszüge, an denen dann Jedermann teilnehmen konnte, zeichnete
die SCG verantwortlich, ehe es 1955 erstmals Kurpfälzer Fastnachtszug
hieß. Dazu wurde dann parallel, nicht zuletzt um die Finanzen von
Umzug und SCG getrennt zu halten, das Fastnachtszug-Komitee Schwetzingen
als eigenständiger Verein ins Leben gerufen.
Die noch heute gültige Vereinssatzung des Fastnachtszug-Komitees
stammt vom 3. März 1959 und wurde am 17. April 1959 beim Registergericht
eingetragen und hinterlegt.
Mit der Reihe der Kurpfälzer Fastnachtszüge in Schwetzingen
ging es nathlos weiter mit von Jahr zu Jahr besserer Qualität und
steigenden Zuschauerzahlen, wobei heutzutage 30-50.000 keine Seltenheit
sind.
Leider wurde die Umzugsreihe aufgrund höherer Gewalt oder politischer
Entscheidungen dreimal zwangsweise unterbrochen - der Zug fiel aus: 1962
(Flutkatastrophe in Hamburg), 1990 (Orkanwarnung) und 1991 (Golfkrieg
und Abbruch der Fastnachtscampagne). Daher 2004 auch erst der 50. Umzug.
Der Zugweg
Während der Zugweg des Kurpfälzer Fastnachtszuges seit mehr
als 40 Jahren praktisch unverändert steht (Aufstellung Lindenstraße,
Kronen-, Hebel-, Schloss-, Karlsruher-, Bismarck-, Friedrich-, Mannheimer-,
Lindenstraße Auflösung), gab es bei den ersten Umzügen
einige interessante, wenn nicht gar originelle Wegvarianten:
1951 (Kinderumzug):
Aufstellung Bismarckstraße, Friedrich-, Mannheimer-, Viktoria-,
Kronen-, Hebelstraße, Schlossplatz.
1952 (2. Umzug): Aufstellung
Bahnhofsanlage, Carl-Theodor-Straße, Schlossplatz, Karlsruher-,
Bismarck-, Mannheimer-, Dreikönig-, Hebel-, Kronen-, Linden-, Viktoriastraße
Auflösung.
1953 (3. Umzug): Aufstellung
Bahnhofsanlage, Carl-Theodor-, Herzog-, Mühlen-, Werder-, Mannheimer-,
Viktoria-, Linden-, Kronen-, Hebel-, Schloss-, Karlsruher-, Bismarck-,
Friedrich-, Mannheimer-, Dreikönig-, Schlossstraße, Schlossplatz
Auflösung.
Ganz schön verwirrend - nicht wahr?!
Die Vorsitzenden des Fastnachtszug-Komitees
Kurt Andres (1956-1971), Philipp Schuhmacher (1972-1975), Willi Schäfer
sen. (1976-1984), Ludwig Karle (1985 bis 2007), Werner Pfister (2008 bis
heute)
Die Zugmarschälle (Anführer)
des Umzuges
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Seppl Czerweck
(1951-1956) |
Willi
Schäfer sen.
(1957-1970) |
Philipp
Schuhmacher
(1971-1975) |
Ludwig
Karle
(1976 bis heute) |
Die Geschäftsführer
des Fastnachtszug-Komitees
Fritz Beurer (1959-1976), Dieter Fleischhacker (1977-1979), Ludwig Karle
(1980-1985), Klaus-Peter Münch (1986-1993), Willi Schäfer jun.
(1994 bis 2004), Andreas Linn (2005 bis heute)
Die Finanzverwalter des Fastnachtszug-Komitees
Fritz Beurer (1959-1985), Werner Pfister (1986 bis 2006), Erich Hochhaus
(2007 bis heute)
Das Preisrichterkollegium des
Kurpfälzer Fastnachtszuges
Viele prominente Namen sind in den bisherigen Preisgerichten des Kurpfälzer
Fastnachtszuges zu finden. Preisrichter beim Schwetzinger Umzug zu sein,
ist auf den ersten Blick an sich eine reiz- und ehrenvolle Aufgabe, bei
näherer Beschäftigung mit der gar nicht so einfachen Materie
aber auch eine anstrengende und mitunter sogar undankbare Tätigkeit.
Im Folgenden seien aus einer Legion von Preisrichtern stellvertretend
einige markante Vertreter genannt, wie sie im Verlauf der Jahre zum Richtergremium
hinzustießen und z.T. jahrelang darin tätig waren:
Kurt Waibel (Bürgermeister, Schwetzingen), Dr. Kurt Buchter (Bürgermeister,
Hockenheim), Werner Krieger (1. Vors. HCG Hockenheim), Rudolf Löhr
(Redakteur, Sandhausen), Hugo Löhr (Ratsschreiber, Oftersheim), Oswald
Zenkner (Redakteur, Schwetzingen), Wilhelm Back (Stadtbaumeister, Schwetzingen),
Heinrich Fischer (stellvertr. Bürgermeister, Ketsch), Herbert Roth
(Präsident HCG Hockenheim), Fritz Nassner (Redakteur, Schwetzingen),
Hans Wirnshofer (Verwaltungsoberinspektor, später Bürgermeister,
Ketsch), Hans Ochs (Gemeindeoberamtmann, Plankstadt), Werner Weick (Bürgermeister,
Plankstadt), Otto Heger (1. Vors. des Vereinskartells Oftersheim), Dr.
August Zund (1. Vors. der IG Ketscher Vereine), Rudi Schieschke und Werner
Schäfer (1. Vors. der IG Schwetzinger Vereine), Gerhard Stratthaus
(Bürgermeister und Oberbürgermeister, Schwetzingen), Fritz Keilbach
(stellvertr. Bürgermeister, Ketsch), Andreas Lin (Redakteur, Schwetzingen),
Bernd Kappenstein (Oberbürgermeister, Schwetzingen), Heinz Rung (Stadtrat,
Schwetzingen), Wolfgang Butz (IG-Schwetzinger Vereine), Dr. René Pöltl
(Oberbürgermeister, Schwetzingen)
Technisches zum Kurpfälzer
Fastnachtszug
Von Anfang an waren Polizei, Deutsches Rotes Kreuz und der Bauhof der
Stadt Schwetzingen in mustergültiger Weise zur Stelle, um durch Absperr-,
Sicherheits- und Sanitätsmaßnahmen einen reibungslosen Zugablauf
zu gewährleisten.
Für die Ansage und schlagfertige Kommentierung der Kurpfälzer
Fastnachtszüge an den "Kleinen Planken" zeichneten bisher
der Hockenheimer Franz Bankuti (1975-1993) und SCG-Elferrat Richard Powik
(1994 bis heute) verantwortlich. Die dazu notwendige Lautsprecheranlage
wurde alljährlich von Manfred Dick, Firma Fernseh- und Radio-Dick,
Schwetzingen, bereitgestellt.
Seit 1978 wird vor dem Gebäude der Volkshochschule eine Zuschauertribüne
kostenlos aufgebaut, die im Eigentum der Firma Fritz Gieser,
Oftersheim, war und 2001 als Schenkung an das Schwetzinger Fastnachtszug-Komitee
überging. Eine äußerst noble Geste der Familie Gieser
mit Fritz sen., dem ehemaligen, jahrelangen Schwetzinger Kurfürsten,
an der Spitze!
Interessantes und Kurioses aus
der Anfangszeit
Im ewigen Bemühen (mehr oder weniger erfolgreich) um die Teilnahme
der Schwetzinger Vereine am Kurpfälzer Fastnachtszug, ist "Macher"
Ludwig Karle, der sehr gerne auf den 10. Umzug im Jahr 1960 hinweist:
Damals nahmen sage und schreibe 18 Schwetzinger Vereine und Stammtische
mit Wagen und Gruppen teil. Zur Nachahmung wärmstens empfohlen!!!
Großartige Unterstützung erfuhr der Umzug im Jahr 1952 durch
den Reiterverein Schwetzingen, der damals mit "Gespannen, Fahrzeugen
und einer stattlichen Reiterschar" eine der Attraktionen darstellte.
Ludwig Karle und seinen Mitarbeitern im Fastnachtszug-Komitee obliegt
es auch, für die Finanzierung des Zuges zu sorgen und gerade zu stehen.
So gehen alljährlich sogenannte "Bettelbriefe" (mit unterstützender
Unterschrift von Oberbürgermeister René Pöltl) an Firmen,
Institutionen und Privatpersonen. Die Resonanz war bisher (und bleibt
hoffentlich auch weiterhin) durchaus positiv, so dass es mit einem alljährlichen,
kleinen Zuschuss seitens der Stadt immer wieder gelingt, die Finanzierung
des Schwetzinger Fastnachtszuges, im übrigen die größte
"friedliche Volksbewegung" in der Stadt, abzusichern.
A propos Zuschuss der Stadt:
Der damalige Bürgermeister Franz Dusberger schreibt der SCG mit Datum
vom 18.2.1952 folgendes:
"Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 14.2.1952 - Beschluss
Nr. 699 - nachfolgende Entscheidung getroffen:
1. Zur Durchführung des Fastnachtszuges wird Ihnen ein Zuschuss von
200,- DM gewährt.
2. Für die Gestaltung eines Wagens (Anm. Elferratswagen) werden Ihnen
aus vorhandenen Beständen des Bauhofes die erforderlichen Holzgerüste
zur Verfügung gestellt. Es wird nichts dagegen eingewendet, dass
der städtische Schreiner Wilhelm Weiss Ihnen beim Aufbau des Wagens
behilflich ist."
Am 9.2.1953 schreibt Bürgermeister
Dusberger der SCG gar Folgendes:
"Gemäss Beschluss des Gemeinderates vom 5.2.1953 Nr. 660 wird
Ihnen zur Durchführung des diesjährigen Umzuges ein Zuschuss
von 300,- DM gewährt. Durch das Fehlen entsprechender Haushaltsmittel
war es leider nicht möglich, einen höheren Zuschuss zu gewähren."
(Anm.: Dieser damalige Wortlaut kommt einem auch heute ach so bekannt
vor!).
A propos Spender:
Zu den großzügigen Spendern zum Gelingen des ersten Umzuges
1951 (und auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten hin bis dato) gehörten
außer den oben bereits genannten beiden Schwetzinger Metzgereien
damals schon die Bezirkssparkasse Schwetzingen, die Eichbaum-Werger-Brauereien
Mannheim und die Welde-Brauerei Hans Hirsch, Schwetzingen mit jeweils
50,- DM, wobei sich die Bezirkssparkasse ausdrücklich und schriftlich
auf einen einstimmigen Beschluss des Verwaltungsrates bezog.
Gar
vieles wäre noch zu berichten aus Geschichte und Entwicklung des
Kurpfälzer Fastnachtszuges, einem der Top-Ereignisse alljährlich
in Schwetzingen.
Impressionen aus den ersten 10 Jahren |